One

              Centrum f. int. Onko

 

                          Tüv 

 

          FOCUS 2018

                 DKG

 

                   CK CARE

 

                  GALEN.png

 

 
Two
Sie sind hier: Startseite Klinik Moulagensammlung Allgemeine Informationen

Allgemeine Informationen

Herstellung:

Viele dermatologische Erkrankungen wurden zu einer Zeit erstmals beschrieben, in der es kaum Möglichkeiten gab, diese farbig darzustellen. Wachsobjekte stellten neben Aquarellen eine Möglichkeit da, Hautbefunde plastisch zu visualisieren.

 

Die menschliche Haut zeigt bei Erkrankungen die unterschiedlichsten Oberflächenbeschaffenheiten (sog. Effloreszenzen). Schuppen, Haare, Eiter, Krusten – all das wird auf einer Moulage nachgeformt. Inspiriert von der Pariser Moulagensammlung von Jules Baretta im Hôpital Saint-Louis wurden nach dem ersten internationalen Kongress für Dermatologie 1889 weltweit vermehrt Moulagensammlungen gegründet.

 

Der Begriff Moulage kommt von dem französischen Verb mouler (= formen). Bei der Herstellung einer Moulage wird Gips auf die Körperstelle aufgetragen, die abgeformt werden soll. Die entstehende Wachsform wird dann mit einer Wachsmischung ausgefüllt. Diese war je nach Hersteller (sogenannter Mouleur) unterschiedlich und zumeist ein gut gehütetes Geheimnis. Wie real das Objekt am Ende wirkt, hängt entscheidend von der Wachsmischung ab.

Es entsteht damit eine Wachsform, die weiterbearbeitet wird, bis sie das Original, den Patienten, exakt abbildet. Dann wird sie auf einem Holzbrett befestigt und mit einer Einfassung versehen, um die unebenen Wachskanten zu verstecken. Diese kann aus Papier oder Stoff bestehen. Diagnoseschilder sowie Inventarnummern ergänzen die Objekte mit wichtigen Informationen. Manchmal findet sich auch eine Signatur des Mouleurs sowie ein Herstellungsdatum, letzteres ist aber eher eine Seltenheit. Auf den Bonner Objekten finden sich häufig auch weitere Informationen zur Anamnese des jeweiligen Patienten, was die Objekte besonders interessant macht.

 

Geschichte der Bonner Sammlung

Erich Hoffmann, Mitentdecker des Syphiliserregers, wurde 1910 Direktor der Hautklinik in Bonn und gründete die Moulagensammlung. Damals befand sich die Klinik noch in der Theaterstraße 5 in der Nähe des Rheins. Während seiner Amtszeit bis 1934 entstanden die meisten der heute erhaltenen 1004 Objekte, die er größtenteils aus privaten Geldern finanzierte. Damit ist die Bonner Sammlung die größte in Deutschland.

Wann die Produktion in Bonn aufhörte, ist nicht belegt. In Bonn wurden die Moulagen vor allem von den Mouleuren Auguste Kaltschmidt (1873-?) und Hermann Hessling (1876-1944) gefertigt.  Aber auch Otto Vogelbacher fertigte Moulagen in Bonn an.

Daneben finden sich Moulagen von vielen heute gut bekannten Mouleuren aus dem Ausland. Beispielsweise Objekte von Alfons Kröner aus Breslau, Elsbeth Stoiber aus Zürich oder Jules Baretta aus Paris.

Von den in Bonn hergestellten Moulagen fällt vor allem die sehr realistische Farbgestaltung sowie Detailtreue der Kaltschmidt Moulagen auf. Auguste Kaltschmidt kam 1913 aus Rostock nach Bonn, wo sie bis 1916 in der Klinik als „wissenschaftliche Arbeiterin“ unterschiedliche Aufgaben übernahm. Unter anderem stellte sie über 100 Moulagen in hervorragender Qualität her. Kaltschmidt hat auch in Rostock zahlreiche Moulagen gefertigt. Nachdem die große Rostocker Moulagensammlung mit ursprünglich ca. 3000 Moulagen im zweiten Weltkrieg  aber ausgebrannt ist, ist Bonn die einzige Sammlung mit einer größeren Anzahl von Kaltschmidtmoulagen.

 

1944 brannte die Theaterstraße nach einem Bombenangriff aus. Den Krieg überlebte die Sammlung wie ein Wunder und dank des unermüdlichen Einsatzes des damaligen Kliniksfotographen Michael Delfosse ohne größere Verluste.

Die Sammlung zog 1956 mit der Einweihung der neuen Hautklinik auf den Venusberg um, wo sie in einem Raum unter dem Hörsaalgebäude untergebracht war. Zuvor wurde sie aufwändig restauriert. Fast alle Einfassungen wurden zu diesem Zeitpunkt erneuert. Wer dies gemacht hat, ist bis heute Spekulation.

 

Unter konstanten Temperatur und Lichtverhältnissen hatte die Sammlung im Kellerraum unter dem Hörsaalgebäude perfekte Lagerungsbedingungen, fristete aber lange ein Schattendasein. Erst unter Professor Ralf Bauer wurde sie ab den 80er Jahren wieder vermehrt wahrgenommen und teilweise in der Lehre eingesetzt.

 

2008 musste das Hörsaalgebäude der Dermatologie zu Gunsten eines neuen Hörsaalgebäudes für die medizinische Fakultät weichen. Professor Ralf Bauer und Professor Thomas Bieber sorgten mit großem Einsatz dafür, dass die Sammlung im Rahmen des Abrisses des Hörsaalgebäudes nicht entsorgt wurde, wie dies zunächst geplant war.

Die Planungen des neuen Hörsaalgebäudes wurden um eine Unterkellerung für die Moulagensammlung sowie für das Skillslab ergänzt. 2009 fand die Sammlung damit ihre neue Heimat im neuen Hörsaalgebäude, erneut im Keller.

 

Seit 2011 wird die Sammlung nun genauer erforscht. 2014 gelang unter Einbezug fachlicher Restauratoren-Expertise von Frau Diplom-Restauratoin Johanna Lang eine komplette Reinigung aller Stücke, eine erste Schadenskartierung, eine umfassende Inventarisierung und die Einrichtung eines Depots. Seither können ca. 400 Moulagen fachgerecht liegend gelagert werden.

 

Auf Grundlage dieser wichtigen Maßnahmen der Sammlungserhaltung wird die Sammlung nun wieder regelmäßig in der Lehre genutzt. Ein umfassender, einmaliger Quellenbestand rund um die Sammlung (Fotografien, originale Patientenakten, Verzeichnisse etc.) ist weltweit für eine Moulagensammlung einmalig und in den kommenden Jahren Anlass für weitere Erforschungen.

Für die Öffentlichkeit ist eine Besichtigung in angemeldeten Gruppen möglich.

Dabei gilt es einen guten Kompromiss zwischen der optimaler Erhaltung der Sammlung unter konstanten Licht- und Temperaturverhältnissen sowie der Nutzung in Lehre und durch die Öffentlichkeit zu gewährleisten.

 

Seit 2012 ist die Bonner Moulagensammlung Teil des „Arbeitskreises Moulagen“, der sich in regelmäßigen Abständen trifft, um Fragestellungen rund um Moulagensammlungen in Deutschland sowie im europäischen Ausland zu diskutieren.

 

Kuratorin: Dr. med. Béatrice Zahn

Kontakt: [Email protection active, please enable JavaScript.]

Öffentliche Führungen sind nach Rücksprache mit der Kuratorin möglich.

 

Artikelaktionen